24.5.09

Wahlkampf

Am frühen Sonntag morgen erhielt meine latente Politikverdrossenheit wieder einmal frische Nahrung. Neben den lokalen Scharmützeln um Umzüge diverser Kindergärten und Hortplätze, das im Moment die hiesigen Elternbeirätinnen (ich verwende die weibliche Form, weil in diesen Gremien das männliche Geschlecht traditionell unterbesetzt ist) in die Schützengräben treibt, hat sich beinahe unbemerkt das Standardwahlkampfmedium in unserer ländlichen Gegend an die Straßenränder geschlichen. Die Rede ist vom Plakatständer, der mit Bindedraht an diversen Laternenpfählen befestigt wird. Auf der Vorderseite ringt sich ein mühsam zurechtgeschminkter Parteivertreter ein gequältes Lächeln ab oder simuliert jugendliche Dynamik per über der Schulter getragenem Jackett. Auf der Rückseite zeigte sich heute für mich das wahre Gesicht des Wahlkampfes. Schonungslos und überdeutlich wurde hier klar gemacht: "Wir gehen bis zum Äußersten für den Wahlsieg" Wie ein blutiges Menetekel standen die drei Buchstaben auf die unschuldige Presspappe gemalt. Wer jetzt nicht zur Wahl geht, der hat sich die Konsequenzen selber zuzuschreiben.
Leider konnte ich eine unvorsichtige Bemerkung nicht unterdrücken, weswegen mein Kleiner (hier rechts im Bild) mich schon den ganzen Tag fragt, wo denn dieses Haus der lebenden Leichen eigentlich ist.

20.4.09

Maiwitz

Neulich schaue ich mich so in unserem Großraumbüro um und da finde ich doch einen Zauberhut, den da jemand so einfach offen liegen gelassen hat. Die Aufschrift auf dem anhängenden Zettel besagt: "Setze diesen Hut auf, gehe ins 4. OG und Du wirst unsichtbar sein". Im 4. OG sitzt bei uns die Geschäftsführung. Ich also nix wie den Hut aufgesetzt und ab in den Fahrstuhl. Da hat das aber noch nicht so gut gewirkt, denn alle haben mich ganz komisch angesehen. Macht ja nix, habe ich gedacht, das geht ja auch erst im 4. OG. Dort angekommen bin ich gleich zu unserem Boss rein und wollte gerade so Schabernack treiben (ich war ja unsichtbar). Aber der hat mich direkt wieder rausgeworfen. Über den Hut hat er gar nichts gesagt.So'n Mist, der Hut funktioniert also gar nicht richtig. Ich glaube aber, dass nur der Hut selber unsichtbar war, und nicht der Träger, also ich. Das kann eigentlich nur daran gelegen haben, dass ich im falschen 4. OG war. Ich probier' jetzt mal alle Häuser in der Gegend aus. In irgend einem muss es ja klappen. Und dann stelle ich mich da ins Treppenhaus und erschrecke die Leute. Hoffentlich wohnt dann auch jemand in dem Stockwerk...

18.1.09

Perverse Italiener


Also das kann auch nur Italienern einfallen! Aber der Reihe nach: Zunächst wollte ich nur einen kleinen Geschenkgutschein aus einer Parfümerie besorgen. Da war ja auch so eine an der Ecke bei uns im Ort. Ich war da noch nie drin, aber kurz bevor ich über die Schwelle trat, dachte ich noch so bei mir: 'Die fragen dich bestimmt, welchen Duft du zu Hause hast', sozusagen als "Clubausweis" für den Nicht-natur-stinker. Glücklicherweise hatte mich die beste Ehefrau der Welt zu Weihnachten mit einem Duft beglückt. Schnell noch den Namen memoriert und rein. Drinnen, oh Wunder, ein Mann hinter dem Tresen und ihm zur Seite steht Dita von Teese. Und das in unserer Stadt, wer hätte das gedacht. Und nachdem ich meine Bestellung (Geschenkgutschein) losgeworden bin fragt er doch glatt "Was tragen Sie denn im Moment?". Mein vorbereitetes Gehirn entschlüsselte diesen Satz als Frage nach einem Kosmetikprodukt und ich antwortete (völlig lässig natürlich): "Den neuen von Boss, 'XY'". Daraufhin hat er mir zwei Proben eingepackt, und was lese ich auf der einen: "Infusion d'homme" (hab ich gleich gescannt). Und natürlich gibt's da auch 'ne Website für (wo kämen wir denn sonst hin). Ist zwar französisch, kann aber von mir als ungebildetem Durchschnittsbürger nur zu leicht falsch interpretiert werden. Infusionen kennt man ja aus den Arztserien und homme=Mann. Also eine Einspritzung einer männlichen Flüssigkeit. Pfui Teufel! Ich sag's ja: Diese Italiener... Ob die sich damit so einen Gefallen getan haben? So doof wie ich sind ja viele. Aber vielleicht bin ich ja auch nicht die Zielgruppe. Männer, die sich bei einem Besuch in der Parfümerie vor der Tür erst mal minutenlang an das einzige verstaubte Parfüm ganz hinten in ihrem Badezimmerschrank erinnern müssen, stehen wahrscheinlich nicht so weit oben auf der Liste.

23.12.08

Bin ich ein schlechter Nerd?


Da sitze ich jetzt auf der Couch bei meinen Schwiegereltern und habe seit zwei Stunden dieses Notebook auf dem Schoß auf dem ein (mangels Laufwerk) via Netzwerk-Boot installiertes Ubuntu System läuft. Seitlich im Notebook steckt mein Dorn im Fleisch, eine Sitecom PCMCIA WLAN-Karte mit einem Ralink 2500 Chipsatz (als Linux Nutzer muss man sowas wissen) und lässt sich partout nicht mit dem hiesigen WLAN Access Point verbinden. In vier Tagen will ich auf dem 25C3 (Chaos Communication Congress) sein, und da kann ich mir sowas doch nicht bieten lassen! 10 Minuten und zwei weitere heruntergeladene Tools später und nach mehreren Anläufen mit einem selbstgeschriebenen Skript läuft es auf einmal. Statt jetzt "Heureka" zu rufen und der verdutzten, aus dem Halbschlaf gerissenen Verwandtschaft mit selbstgefälligem Lächeln meinen Erfolg als Ergebnis einer übermenschlichen Intelligenz und geistigen Anstrengung zu präsentieren wurmt mich nur ein Gedanke: Ich habe keine Ahnung, warum es jetzt klappt. Was sollen dazu nur meine Fellow-Nerds sagen?

19.10.08

Es war einmal vor 30 Jahren

Da ist man jetzt fast 40 Jahre alt und wird trotzdem von seinen Eltern "gezwungen" eine Kiste mit alten Büchern und Unterlagen im Keller des Elternhauses durchzuflöhen. Naja, neben der erst kürzlich vermissten "Tim und Struppi"-Sammlung tauchte auch ein Heft "Informationen zur politischen Bildung" vom 1. Quartal 1988 auf. Titel: "Neue Technologien".
Online gibt es diese alten Ausgaben natürlich nicht mehr, und selbstredend ist jede einzelne Technologie aus diesem Heft mittlerweile so überholt, dass sich nur noch wenige Menschen meines Jahrgangs überhaupt noch daran erinnern. 30 Jahre in Technologie/Internet ist ja ungefähr so viel wie 120 Jahre in allem anderen. Mal abgesehen von den lustigen Bildern von Büros an denen Leute vor Schreibterminals sitzen, die ihren gesamten Schreibtisch bedecken, fand sich dort auch dieses lustige Foto vom "Telearbeitsplatz". Sehr cool und unbedingt Wert, aufgehoben zu werden. Der geradezu avantgardistische Fortschritt zeigt sich in dem Foto daran, dass die Dame einen der ersten Apple MacIntosh verwendet um ihre Kochutensilien darauf abzustellen (ganz abgesehen davon, dass kein Betriebsrat in Deutschland diese Arbeitsumgebung durchgehen lassen würde).

11.10.08

Halbgott in Grün


Puah, ich bin noch ganz zitterig. Habe ich doch eben in einer halbstündigen Aktion zu vorgerückter Stunde noch eine "Gehirntransplantation" bei meinem Mac Mini vorgenommen. Anleitungen gibt es dafür ja genug, sogar bebildert. Tut meinem Kleinen auch ganz gut. Von 40 auf 250 GB und von 4200 auf 5200 U/min. Endlich wieder Platz zum Durchatmen auf der Kiste. Könnte mir auch gefallen.
Überhaupt bin ich gerade wieder voll auf Mac OS X Geschmack. Habe ich doch gerade entdeckt, dass es mit den Mac OS X DVDs eine komplette Entwicklungsumgebung (XCode) gratis dazu gibt. Und schwupps schon mein erstes "Hello world!" geschrieben. War zwar nur ein Temperaturkonverter, aber das ging doch so fix (mit Tutorial), dass ich glatt Geschmack dran finden könnte.

12.8.08

Neues aus der Straße des schwarzen Staatsoberhaupts

Also mein Nachbar ist so ein Typ für sich. Hat einen "Stammplatz" auf der Straße. Funktioniert wie ein Uhrwerk. Ist schon Sport bei den anderen Nachbarn. Fährt er mal weg, stellt sich jemand anders drauf. Er kommt zurück, muss leider woanders parken, steigt kopfschüttelnd aus und geht in sein Haus. Kaum ist sein "Stammplatz" wieder frei, muss ich mich schon sputen (falls ich es mitbekomme), damit ich das Schauspiel nicht verpasse. Er flitzt raus und parkt um, präzise, auf den Punkt und wenn es nur ein halber Meter zu fahren ist. Ganz egal, Ordnung muss sein.
Er ist ja noch harmlos. Mit den Parkplätzen ist das nämlich so eine Sache hier in der Straße. Weiter oben verteidigt jemand ein Fleckchen mit rabiateren Mitteln. Jeder der dort "unbefugt" parkt hat auf die Dauer mit zerstochenen Reifen zu rechnen. Aber immer nur mit einem, sonst könnte er ja gar nicht mit dem Ersatzreifen wegfahren. Anonyme Briefe gibt es auch immer mal. Da steht dann drunter "Auf gute Nachbarschaft !!!!!!!!!!" (ja, mit genau so vielen Ausrufezeichen). Damit die Nachbarschaft auch besser werde. Ob der Briefeschreiber wohl weiß, dass die Farbdrucker schwer sichtbare Punktmuster aufdrucken mit denen man den Drucker identifizieren kann?