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22.1.13

Adobe, die Zweite (Update gefällig?)

Ich hege schon seit langem ein reges Interesse für Human Computer Interaction (HCI), Ergonomie, Design und Benutzeroberflächengestaltung. Da bleibt es natürlich nicht aus, dass ich auch mal das ein oder andere "Feature" kritisch betrachte. Manchmal mag ich da bestimmt falsch liegen und hoffentlich häufiger richtig. Aber am meisten ärgern mich Dinge, die sich so heimlich durch die Hintertür eingeschlichen haben und bei denen man erst nach einer Weile merkt, wie geradeheraus bescheuert, ja sogar richtig hinterhältig sie sind.
  Ein Beispiel, das wahrscheinlich jeder kennt sind die Software Updates, die einem auf dem dritten oder vierten Bildschirm des Installationsprogramms (also da, wo man vor lauter "Next", "Okay", "Confirm" und "I'll buy a new washing machine" Buttons schon gar nicht mehr aufpasst) per defaultmäßig eingeschalteter Checkbox eine Browser Toolbar zur Installation anbieten. Mein Vater hatte neulich drei Stück davon (Google, Bing und Ask) in seinem Browser. Vor lauter Toolbars konnte man den Inhalt gar nicht mehr sehen und mit seinen 75 Jahren war es ihm auch unmöglich die Dinger wieder zu entfernen (diese Aufgabe kommt dann mir zu: "Wozu haben wir dich das denn sonst studieren lassen, Junge?"). Was aber noch viel unverschämter daherkommt, ist das tägliche Flash-Plugin-Update, mit dem uns Adobe verwöhnt. Dort hat man nämlich so kurz vor Schluss der Installation die Möglichkeit, auszuwählen, wie man in Zukunft zum Thema Updates informiert werden möchte.

Die Lieblingsoption der Adobiker ist offensichtlich "Zulassen, dass Adobe Updates installiert". Ist ja auch vorausgewählt und "empfohlen". Mir als mündigem Computerbesitzer ist das aber zu heikel. Ich möchte gerne wissen, wann Adobe auf meinem Rechner rumfummelt. Also wähle ich regelmäßig "Benachrichtigen, um Updates zu installieren" aus. Moment mal... regelmäßig? Ja, richtig gelesen, einmal auswählen reicht nicht. Beim nächsten Mal fragt der offensichtlich bei dieser Option unter Gedächtnisverlust leidende Adobemüll wieder, was er machen soll. Egal, wie oft ich diese Auswahl treffe, kurz darauf fragt der Alzheimer-Installer wieder nach. Und wohlgemerkt, das ist lange nachdem ich in einem anderen Dialog bestätigt habe, dass ich das Update einspielen möchte.

<HASSKNECHT> Hört mal, ihr Vollpfosten von Adobe: Das nervt, und zwar richtig!</HASSKNECHT>

24.9.12

Dinosaurier

Ich bin ein ausgesprochener Fan von eBooks. Ich benutze eifrig die Internet-Bücherei. Ich akzeptiere sogar die merkwürdigen Ausleihmodalitäten (das Warten auf eine digitale Kopie erhöht doch die Spannung). Alles könnte so schön sein, wenn nicht die Firmen, die für das Rechtemanagement verantwortlich sind, wären. Allen voran Adobe. Ich habe ja noch verstanden, dass ich mir eine Adobe ID besorgen muss, damit mir die Online-Bibliothek 14 Tage lang erlauben kann, ein Buch zu lesen. Die Tatsache, dass mein eBook Reader keine Uhr hat, die es ihm erlauben würde, die Bücher nach Ablauf der Leihfrist ungültig zu machen, ist den Kollegen (zum Glück) schlicht entgangen. Auch, dass man auf anderen eBook Readern das Datum nur regelmäßig manipulieren muss, um diesem DRM ein Schnippchen zu schlagen, erschien den Erdenkern der Leserschikane offensichtlich akzeptabel. Jetzt versuchen sie es offenbar auf andere Weise. Ich bekam gestern die Nachricht, dass mein vorbestelltes Buch nun endlich für mich verfügbar war. Freudestrahlend öffnete ich den Browser um festzustellen, dass es nur im mir bis dato unbekannten Format "Adobe-Reader-X" herunterladbar war. Naja, dachte ich, das kann ja so schlimm nicht sein. Doch ich irrte gewaltig. Um Adobe-Reader-X-Bücher zu lesen muss man den kompletten Reader neu herunterladen der sich tief in den ohnehin schon lästigen Adobe-Software-Sumpf auf dem Rechner eingräbt. Bevor er dass jedoch tat teilte er mir auch noch mit, dass er dafür über 400MB (in Worten: Vier-Hundert-Megabyte!) Platz auf meinem Rechner benötigt. Kann sich noch jemand vorstellen, wie viele 3,5 Zoll (7,88cm) Disketten das sind? Es wären 285 Stück. Ja sind die denn von allen guten Geistern verlassen. 400 Megabyte für ein Programm zum Lesen von eBooks! Und dann noch von Adobe, deren Software so lästig auf dem Rechner einwächst wie Fußpilz! Die werde ich doch nie mehr los. Ihr Ziel ist also, dass DRM-gesicherte Bücher gar nicht mehr gelesen werden.

Ich habe das Buch jetzt in Adobe-Reader-X-Format auf der Platte liegen und warte auf einen freundlichen Hacker, der mich den Inhalt einfach einmal lesen lässt. Ich verspreche auch, es nicht ein zweites Mal zu tun...